Baumwollspinnergasse

Baumwollspinnergasse (Stadtviertel Nordwest)
Das Spinnen von tierischen oder pflanzlichen Fasern zu Fäden für die Herstellung von Textilien ist eine der ältesten Techniken der Menschheit. Mit dem Spinnrad wurden Jahrhunderte lang in Neumarkt Baumwollfasern miteinander verbunden und verdreht und so Garne handwerklich hergestellt. Das Faserbüschel wurde auf den Spinnrocken gesteckt und von der Spindel, die von einem fußbetriebenen Treibrad angetrieben war, gedreht, verdrillt und dann auf der Haspel aufgewickelt. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, als die ersten Spinnmaschinen entwickelt wurden, war das Spinnen reine Handarbeit. Ursprünglich wurden Schafwolle und Flachsfasern versponnen. Der Baumwollstrauch ist nur im Orient heimisch, aber schon zur Römerzeit brachten persische Händler die Baumwolle nach Europa. Mit der Erfindung von synthetischen Fasern und dem Aufkommen von industriellen Spinnereien war dem Handwerk Spinnen ein Ende gesetzt. Für das historische Haus Wiener Straße 11 in Neumarkt, das 1662 erstmals urkundlich erwähnt ist und bis 1939 zu Köstendorf gehörte (als Doppelhaus trug es die Hausnummern Kleinköstendorf 37 und 38), ist bis heute der Hausname „Baumwollspinner“ in Verwendung.